Autor Thema: Heimkehr  (Gelesen 5463 mal)

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Offline Eileen

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Re: Heimkehr
« Antwort #15 am: Donnerstag, 29.11.2018, 15:16:28 »
“Das kann man ganz sicher. Kommt mit.“

Eileen steuerte eine hölzerne Tür im Innenhof an. Dahinter führten ein paar wenige Stufen hinab in ein helles Gewölbe, in dem Tische standen. Derzeit war der Raum von zahlreichen Laternen und Kerzen erhellt aber Aslana konnte sich gut vorstellen, dass tagsüber ausreichend Licht durch die schmalen Fenster fiel, die auf der Gegenüberliegenden Seite oben an der Wand lagen. Von außen betrachtet auf Bodenhöhe. An den schmalen Seiten des Raumes waren einige Nischen eingelassen, in denen man recht ungestört sein würde.
Es roch nach Gekochtem und nach Bier und alles in allem konnte man hier recht gemütlich sitzen.

Voltan wusste, wie voll und laut es hier in der Schenke werden konnte doch im Moment war kaum etwas los.

Eileen führte die beiden zu einer Nischen. Aslana folgte ihr und erwiderte das ein oder andere Nicken in ihre Richtung während der junge Paladin ein paar freundliche Willkommensworte mit ein paar Anwesenden austauschte.

Eileen wies die beiden an, sich zu setzen und verschwand noch kurz, Speis und Trank organisieren.

Bald stand vor den Dreien Brot, Fleisch, getrocknete Früchte und Wasser auf dem Tisch. Dazu ein dampfender Krug. Wenn die Kriegspriesterin ihrer Nase trauen konnte, war dies vermutlich der Gewürzwein, den Voltan erwähnt hatte.

“Also dann, greift erst einmal zu. Und dann erzählt. Wie ist es euch ergangen?“
« Letzte Änderung: Donnerstag, 29.11.2018, 15:19:00 von Eileen »
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Offline Aslana

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Re: Heimkehr
« Antwort #16 am: Donnerstag, 29.11.2018, 19:46:54 »
Aslana sah zu Voltan hinüber, der sich schwer auf die Bank hatte fallen lassen und der so aussah, als wolle er sich so schnell keinen Schritt mehr bewegen. Auch sie selbst war froh, aus der Kälte heraus zu sein, obwohl sie weit davon entfernt war, dass sie nicht mehr fror, zu tief saß ihr die Kälte in den Knochen. Auch endlich zu sitzen, war eine wahre Wohltat. Jetzt und hier, in gesicherter Umgebung, machten sich die Strapazen der Reise bemerkbar, die die Beiden bisher durch Disziplin und jahrelange Ausbildung beiseite geschoben hatten.
Sie trank einen Schluck des heißen Weines, aß ein Stück Fleisch mit Brot und seufzte dann tief.
"Tja, es war halt Westfurth. Es ging ja schon mal damit los, dass die Delegation der Equinoktier aus unvorhergesehenen Gründen nur aus Evan bestand. Dann waren da mal wieder diese unverbesserlichen Übereifrigen, die in die Dunkelheit hinein marschierten, anstatt vor der Dämmerung ein Nachtlager aufzuschlagen, das sich anständig verteidigen lässt. Latsch mal bei Finsternis durch ein von Chaosanhängern verseuchtes Gebiet. Wer sich da noch wundert, dass wir angegriffen werden, der sollte sich echt mal mit der Realität beschäftigen."
Grimmig nahm Aslana einen tiefen Zug aus ihrem Becher.
"Na, auf jeden Fall sind wir irgendwann in tiefer Nacht bei einem Gutshof angekommen, von dem aus wir operieren sollten. Der war offenbar auch für die Anhänger des Chaos von gesteigertem Interesse, denn wir waren noch nicht lange dort, hatten uns gerade eingerichtet, da fielen sie über uns her."
Mit abwesendem Blick nagte Aslana an ihrer Unterlippe in Erinnerung an die Ereignisse. Dann zuckte sie die Schultern.
"Mei ... und von da an lief es eigentlich richtig schief. Uns Dreien hatte sich eine Nordfrau namens Astrid angeschlossen, die Evan von früher kannte. Und zu Viert haben wir uns dem Chaos entgegengestellt. Das Problem war nur ... die Gegner verfügten über einen enormen magischen Schutz ... und wir blieben zu Viert. Die Anderen, die angereist waren, ... keine Ahnung ... waren wohl grad beim Abendessen ... oder im Zuber."
Die Thyria-Priesterin schaute wieder zu Voltan, während sie an diesen wirklich üblen Kampf zurückdachte. Astrid lag bereits am Boden, Evan war aus ihrem Gesichtsfeld verschwunden, sie und Voltan standen Rücken an Rücken, eingekreist von vier? ... sechs? Chaoskämpfern, allen voran dieser schwer gerüstete Kerl, der sogar sie selbst um mindestens einen halben Kopf überragte.
« Letzte Änderung: Dienstag, 04.12.2018, 21:21:32 von Aslana »
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Offline Voltan

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Re: Heimkehr
« Antwort #17 am: Sonntag, 02.12.2018, 23:29:25 »
Voltan nahm seinen Hut ab und wischte sich über das feuchte Haar. Zum Glück war es hier in der Schenke warm und trocken. Wenn nur diese Kälte nicht so tief in seinen Knochen sitzen würde.
Er griff über den Tisch, nahm sich einen Becher des Gewürzweins und leerte die Hälfte des dampfenden Inhalts in einem Zug.
Dann atmete er tief durch und lauschte Aslanas Erzählung.
"Das Problem ist, dass wir sie wirklich nicht verletzen konnten. Selbst die ungerüsteten konnten wir mit geweihten Waffen gerade mal ankratzen. Evan hab ich kaum wahr genommen und Astrid war auch ziemlich schnell verschwunden. Sie lagen irgendwo, ich konnte sie nicht mehr sehen. Aslana und ich standen dann Rücken an Rücken, wie sie schon sagte, und kämpften gegen eine Übermacht. Irgendwann hatten wir dann zu viele Treffer eingesteckt und gingen zu Boden. Da hat dieser Anführer das erste mal versucht, mir etwas einzuflößen. Hab ihn als Gegenleistung angezündet. Das hat ihm zumindest weh getan.
Aber es hatte wenig Sinn. Sie hoben uns auf und trugen uns... zur Feuer... stelle..."
Er hielt inne und wischte sich mit der Hand über die Stirn.
"Entschuldigt... mir ist gerade ein bisschen schwindelig... "   
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Offline Aslana

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Re: Heimkehr
« Antwort #18 am: Montag, 03.12.2018, 12:07:15 »
Ganz automatisch rutschte Aslana ein Stück zu Voltan hin und hob die Hand, um zu prüfen, ob er doch wieder Fieber hatte, doch hielt sie mitten in der Bewegung inne, und ein fast schuldbewusster Blick streifte Eileen. Er war jetzt wieder zu Hause, bei seinen Ordensbrüdern und -schwestern. Hier stand es ihr nicht zu, Voltan so vertraulich zu behandeln. Und so sank die Hand wieder auf den Tisch, und Aslana fragte nur mit hochgezogener Augenbraue:
"Sag mal, hast Du schon wieder Fieber?"
« Letzte Änderung: Dienstag, 04.12.2018, 21:22:05 von Aslana »
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Re: Heimkehr
« Antwort #19 am: Montag, 03.12.2018, 20:24:02 »
Eileen lauschte den Erzählungen. Ab und an nicket sie wissend.
Als Voltan berichtete wie die beiden gegen eine Übermacht kämpfend zu Boden gingen, die Gegner unverwundbar, man gar versucht hatte ihm etwas einzuflößen, bildete sich eine tiefe Furche zwischen ihren Brauen. Man hob sie auf und trug sie zur Feuerstelle? Oh das klang nicht gut. Und es weckte verdammt unangenehme Erinnerungen an eine sehr ähnliche Situation in dem selben Land. Unwillkürlich streiften die Finger der Priesterin ihre Halsschlagader.

Da unterbrach Voltan sich, sprach von Schwindel. Sofort zeigte sich wieder Sorge auf Eileens Gesicht. Sie kannte den Paladin zu gut, wusste dass es nicht an dem schnell getrunkenen heißen Wein liegen konnte. Das vertrug er gut. Aber ihr war Voltans ungewohnte Kraftlosigkeit bereits aufgefallen. Und Aslanas Reaktion sprach ebenfalls Bände, auch wenn Eileen den Seitenblick auf sich und das plötzliche Zögern von Aslanas mitfühlender Geste verwunderte. Sie konnte beides nicht einordnen. Aber das musste warten. Das konnte sie ja fragen, wenn sie die Kriegspriesterin gleich auch mal darauf ansprechen würde, warum sie noch immer die Gugel nicht zurückgeschlagen hatte. Hier drin war es doch angenehm warm.

"Fieber? Und was meinst du mit wieder? Überhaupt... der Anführer versuchte da dir 'zum ersten Mal' was einzuflößen? Das heißt es war nicht das einzige Mal? Wo zum Gefallenen war denn der Rest vom Lager?"
Eileen sah, wie Voltan sich müde über die Augen fuhr. Und Aslanas Gesicht zeigte ebenfalls Erschöpfung. Und etwas Bitterkeit. Was war bloß geschehen?

"Entschuldigt", sagte sie. "Das sind viele Fragen. Erzählt einfach weiter und lasst euch Zeit. Ich höre zu."
In einer freundschaftlichen Geste legte sie ihrem ehemaligen Novizen die Hand auf den rechten Unterarm. Unwillkürlich durchlief sie ein Schauer, den sie nicht einzuordnen wusste. Die Priesterin schob es auf ihre Sorge um die beiden.

Als sie die Hand wieder zurückzog wischte Eileen sich die Handfläche an der Hose ab. Sie tat dies völlig unbewusst und bemerkte es nicht einmal. Voltan aber bemerkte es sehr wohl.

Eileen griff zum Wasser und schenkte nach. "Geht es Voltan? Möchtest du weiter berichten oder brauchst du erst Ruhe?"
« Letzte Änderung: Mittwoch, 05.12.2018, 15:34:09 von Eileen »
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Re: Heimkehr
« Antwort #20 am: Montag, 03.12.2018, 22:08:14 »
Aslana lachte kurz freudlos auf.
"Zum Fieber kommen wir später. Der Rest des Lagers kam ... auch später. Was der Kerl uns eingeflößt hat, war sein Blut. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass er sich einen Schnitt am Handgelenk zufügte und mir sein Blut in den Mund tropfte. Ich kann Dir allerdings nicht mehr sagen, ob ich es geschluckt habe, oder nicht. Ich verlor erst mal die Besinnung. Erst an der Feuerstelle kam ich langsam wieder zu mir. Da hatten sie gerade Voltan in der Mangel. Deutlich weiß ich dann, dass mir irgendjemand einen tiefen Schnitt im Rücken verpasste und irgendetwas hineinrieb, was fürchterlich brannte, was ... dreckig war, widerlich, chaotisch."
Schaudernd zog Aslana bei der Erinnerung daran die Schultern hoch.
"Und dann wob er einen perfiden Zauber um mein Innerstes, er ... wie soll ich es sagen ... verschloss es in mir und übernahm gleichzeitig die Kontrolle über meinen Körper. Dieser Zauber machte mich ...", die Priesterin geriet ins Stocken und sah ihre Kriegerschwester teils ratlos und teils bittend an, sie möge verstehen, was so schwer in Worte zu fassen war. "Er machte mich zu einer Marionette seines Willens, dabei war ich aber vollkommen klar, ich hatte nur keinerlei Gewalt über meinen Körper."
Sie runzelte die Stirn.
"Er hat meine Seele nicht angetastet, nur ... eingesperrt ... irgendwie.
Er schickte mich, ebenso wie Voltan gegen das restliche Lager, welches inzwischen aufmarschiert war und die Chaoskrieger bekämpfte. Allerdings war ich unbewaffnet, denn mein Schwert lag noch an der Stelle, wo ich zuvor zusammengebrochen war."
Aslana verzog das Gesicht bei dem Gedanken an so viel Dummheit.
"Glücklicherweise erkannte man uns wohl als nicht dem Chaos Zugehörige, denn ich bekam relativ schnell einen Schlag auf den Kopf, und es wurde mal wieder dunkel um mich."
Sie machte eine Pause, trank ihren Becher leer und suchte dann Voltans Blick.
« Letzte Änderung: Dienstag, 04.12.2018, 21:24:21 von Aslana »
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Re: Heimkehr
« Antwort #21 am: Mittwoch, 05.12.2018, 15:58:28 »
Eileens Gesicht sprach Bände, als sie Aslanas Ausführungen lauschte. Schrecken, Zorn und Mitgefühl wechselten sich darin ab.
Also hatte man wieder lichten Streitern chaotisches Blut eingflöst, genau wie bei ihrer letzten Reise dorthin. Und was hieß, sie hatten Voltan in der Mangel? Was hatte man in Aslanas Wunde gerieben?! Was hatte das für Auswirkungen gehabt?

Die Priesterin musste sich beherrschen, um nicht bei jedem Zweiten Satz ihrer Kriegerschwester mit einer Frage dazwischenzuplatzen. Sie rief sich zur Ruhe und hörte zu.

Als ihre Freundin dann erzählte, wie man ihren Geist weggesperrt und ihren Körper wie eine Marionette geführt hatte zog Eileen unbehaglich die Schultern hoch. Genau wie bei mir in Moringaard. Sie schüttelte die Erinnerung ab.

Die Thyria Priesterin schüttelte den Kopf über die Kurzsichtigkeit ihrer Feinde, sie unbewaffnet in den Kampf zu schicken und Eileen schloss sich dieser Geste mit einem schiefen Grinsen an.

"... ich bekam relativ schnell einen Schlag auf den Kopf, und es wurde mal wieder dunkel um mich."

"Na wenigstens", brummte die Priesterin mißmutig. "Und wenigstens waren dann jetzt auch mal ein paar andere aus dem Lager aufgetaucht!" Eileen schnitt sich eine Scheibe von dem Fleisch ab und folgte Aslanas Blick zu dem jungen Paladin neben ihr.

Leise fragte sie: "Sie hatten dich in der Mangel?" Dann drehte sie den Kopf wieder zu Aslana. "Und was war das, was sie in deine Wunde gerieben haben? Ach Mist, jetzt stelle ich ja doch schon wieder Fragen... entschuldigt. Redet einfach weiter. Es ist nur nicht ganz leicht, sich das ruhig und besonnen anzuhören..."

Die Priesterin aß und sah die beiden abwartend an.
« Letzte Änderung: Mittwoch, 05.12.2018, 17:36:21 von Eileen »
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Re: Heimkehr
« Antwort #22 am: Donnerstag, 06.12.2018, 17:32:47 »
Voltan schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn um die Spinnweben aus seinem Kopf zu vertreiben. Er schüttelte sich, atmete einmal tief durch.
"Es geht schon... fühle mich einfach nur matschig. Es könnte auch daran liegen, dass ich einfach zuviel von meiner Kraft einsetzen musste, um mich um die vielen Verwundeten zu kümmern."
Er nahm noch einen tiefen Zug aus seinem Becher. Dann langte er nach dem Fleisch, schnitt sich ein kleines Stück ab und ließ es in seinem Mund veschwinden. Noch kauend fuhr er fort.
"Sie schleppten uns an die Feuerstelle. Mir haben sie das rechte Handgelenk aufgeschnitten und irgendetwas mit meinem Blut gemischt. Danach ging's mir wie Aslana. Meine Seele wurde von meinem Körper getrennt. Der Körper selber erhob sich, und bewegte sich schwankend, unter der Anleitung des Priesters, auf die Verbündeten zu.
Das schmeckt nach mehr!"
Er schnitt sich noch ein Stück Fleisch ab und kaute mit wachsender Begeisterung darauf rum.
"Zum Glück konnte er sich nur langsam bewegen. Wahrscheinlich wegen der vielen Wunden. Einer aus der Reihe gegenüber schlug mit einem Kampfstab auf Beinhöhe zu und das war's. Als mein Körper auf dem Boden aufschlug, hatte ich auch wieder Kontrolle über ihn. Ich sah dann, dass Aslana ebenfalls am Boden lag und das die Reisegruppe, die zur Unterstützung gekommen war, die Chaostruppen kurzzeitig zurückdrängen konnten. Zumindest konnten sie uns dann rausziehen und ein Stück aus der Gefahrenzone bringen. Leider nicht weit genug, wie wir kurz darauf feststellten...."
Er griff nach dem Krug und füllte seinen Becher nach.
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Re: Heimkehr
« Antwort #23 am: Donnerstag, 06.12.2018, 20:23:01 »
Ein sarkastischer Blick traf Voltan, als er die vielen Heilungen als Grund für seine Kraftlosigkeit vorschob.
Klar, dass Du Dich verausgabt hast, ist sicher der Grund. Diese Schlacht ist ja nicht schon Tage her, dachte Aslana ironisch bei sich.
Als Voltan sich Wein nachschänkte, schob sie ihm ihren eigenen Becher hinüber, damit er auch diesen füllte und bedankte sich danach.
Dann griff sie seine letzten Worte auf.
"Nicht weit genug, wie wahr!"
Sie nickte müde.
"Ich wachte am Schlachtfeldrand wieder auf und konnte erkennen, dass sich das restliche Lager mit einem Haufen Verletzter zurückzog. Auch zu uns kamen welche, und ich hegte die Hoffnung, dass wir nun endlich Hilfe bekämen.
Leider täuschte ich mich. Es waren erneut die Chaosanhänger, die uns zurück zur Feuerstelle schleppten."
Aslana rieb sich mit den Fingerspitzen die Schläfen, dann schaute sie Eileen fest an.
"Eileen! Zu dem Zeitpunkt war ich echt kurz davor, den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Sie haben uns aus dem unmittelbaren Schlachtfeld rausgeholt, aber dort einfach liegenlassen. Und da sie die Chaosanhänger zu Zwanzigst ebensowenig besiegen konnten, wie wir zu Viert, haben sie sich zurückgezogen und ihre Wunden geleckt.
Aber sie haben uns nicht mitgenommen!"
Sehr viel Bitterkeit schwang in Aslanas Stimme mit und in ihrer Miene las Eileen, wie viel Zorn, Enttäuschung und ... ja, Verbitterung immer noch in der Kriegspriesterin steckte ob der Tatsache, dass man sie zurückgelassen und den Feinden überlassen hatte.
"Uns wäre viel erspart geblieben."
Sie starrte in ihren Becher, trank aber nicht, sondern schien in stumpfes Brüten zu versinken. Als sie weitersprach, hatte sie sich wieder im Griff und ihre Stimme klang vergleichsweise teilnahmslos.
"Sie weihten den Platz um das Feuer dem Chaos ... mit unserem Blut. Als ob wir davon noch viel gehabt hätten. Diesmal hatten sie auch Astrid erwischt. In meinem Dämmerzustand habe ich mitbekommen, dass sie uns nicht umbringen wollten, sie sagten, man brauche uns noch. Aber mehr habe ich nicht gehört. Alles, was ich noch wahrgenommen habe, nachdem sie ihre perverse Weihe beendet hatten, waren brennende Schmerzen, sowohl körperliche als auch seelische, und das übermächtige Gefühl des Besudeltseins ..."
Aslana beobachtete immer noch den Wein in ihrem Becher und als würde sie in ihm weitere Erinnerungen finden, redet sie abwesend und leiser werdend weiter.
"... und Schwäche. Ich konnte mich nicht mehr rühren, kein Glied, nicht mal, als sie mir das Ohr abschnitten. Alles wurde bedeutungslos, es gab nur noch mich und das Brennen ..."
« Letzte Änderung: Donnerstag, 06.12.2018, 22:11:48 von Aslana »
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Re: Heimkehr
« Antwort #24 am: Sonntag, 09.12.2018, 01:47:47 »
Dem Paladin entging der harsche Seitenblick der Kriegspriesterin nicht. Dennoch ging er nicht darauf ein sondern füllte einfach den rübergeschobenen Becher nach. Auch dieses heiße Getränk schien die Kälte in seinem Inneren nicht wirklich vertreiben zu können.
Nachdem Aslana zu Ende gesprochen hatte, schwieg er eine Weile, sammelte sich und griff dann den Faden wieder auf.
"Ja, sie haben uns einfach liegen gelassen. Ich sag dir, Schwester, ich hab mich selten so hilflos gefühlt, wie in diesem Moment. Und das schlimme daran war, dass, nachdem die Chaostruppen abgerückt waren, die Bewohner eines Lagers direkt neben der Feuerstelle aus ihren Löchern gekrochen kamen, sich gemütlich unter ihr Sonnensegel setzten und langsam in Feierlaune kamen."
Voltan schlug mit der Faust auf den Tisch und ließ seinem Ärger freien lauf.
"Auch in der Taverne wurde gefeiert! Es wurde gesoffen und gesungen, aber keine Sau hat sich um die Schwerverletzten gekümmert, die dort vor sich hin bluteten. Ich sag dir, soviel Ignoranz gepaart mit Dummheit auf einem Haufen kann einem nur in Westfurth begegnen. Hätte ich noch ein bisschen Kraft gehabt, ich schwör's dir, ich wäre aufgesprungen und hätte sie allesamt verdroschen."
Er nahm noch einen Schluck Gewürzwein und atmete dann mehrmals tief durch.
"Hätte nicht gedacht, dass es noch schlimmer werden könnte als damals in Korandia." fuhr er dann mit einem schiefen Grinsen fort.
"Zu guter letzt, nach einer gefühlten Ewigkeit, kamen zwei Schurken des Weges, sahen uns, und überlegten laut, ob sie uns helfen oder einfach nur ausplündern und erschießen sollten. Nachdem sie dann feststellten, dass es bei uns nichts zu holen gab, trugen sie uns von dem korrumpierten Boden fort und zu unserer Hütte. Vor der Hütte stand eine Bank auf die sie uns setzten. Ich gab ihnen ein Silberstück zur Belohnung und sie zogen ab. So saßen wir dann da, noch immer schwer verwundet und mit chaotischen Dingen, die in unseren Körpern grassierten..."
Voltan schwieg. Sein Blick ging ins leere.   
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Re: Heimkehr
« Antwort #25 am: Sonntag, 09.12.2018, 04:25:32 »
Fassungslos starrte Eileen ihre beiden Freunde an. Sie konnte nicht glauben, was sie da hörte. Eine ganze Weile sagte sie nichts sondern blickte nur immer zwischen beiden hin und her.
Schließlich brach es aus ihr heraus. "Sie haben was? Während ihr...? Ich.... WAS?!"

Die Priesterin umklammerte ihren Becher so fest, dass ihre Fingerknöcheln weiß wurden. Sie war wütend, das sah man. Wütend, fassungslos, entsetzt. "Erst hilft das Lager nicht im Kampf und dann lässt man euch liegen. Überlässt euch dem Feind. Dann werdet ihr fast noch ausgeplündert? und all das während ihr beinahe..." Eileens Stimme wurde leiser, als ihr wirklich klar wurde, was sie gerade gehört hatte.
"Ihr lagt auf unheiligem Boden... mit eurem eigenen Blut geweiht..." Eileen erschauderte. Das klang nur allzu bekannt und ihr wurde kalt. Sie wusste genau, wie sich die beiden gefühlt haben mussten. Wie hilflos. Wie groß die Schmerzen gewesen sein mussten. Sie hatte das selbe durch gemacht und nur knapp überlebt. Wobei... nicht ganz das selbe.

Eileen nahm einen tiefen Atemzug und sprach weiter. Ihre Stimme war eigentümlich ruhig und nur wer sie kannte, wusste diesen Tonfall einzuordnen. Er hatte rein gar nichts mit Gelassenheit zu tun.
"Was ist mit euch geschehen? Was war in euren Körpern, in eurem Blut? Was hat es mit euch gemacht? Voltan... du bist noch immer geschwächt. Was ist mit dir? Und Aslana... Kriegerschwester..." Hier zögerte die Priesterin kurz. Ihr war nicht entgangen, was die hochgewachsene Frau über ihr Ohr gesagt hatte. Dann bat sie leise. "Schlag die Kapuze zurück."
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Re: Heimkehr
« Antwort #26 am: Sonntag, 09.12.2018, 10:48:28 »
Aslana schnitt eine Grimasse.
"Es hat sich nicht wieder gefunden. Eine der Chaosschlampen hat es sich als Andenken mitgenommen, wie sie prahlte."
Nach einem kaum wahrnehmbaren Zögern zog sie die Kapuze ihrer Gugel vom Kopf. Verlegen huschte ihr Blick im Schankraum umher und blieb dann auf der Tischplatte hängen, während Eileen sehen konnte, dass der Priesterin das linke Ohr fehlte. Der Schnitt war soweit verheilt, das Loch, welches in den Gehörgang führte, war deutlich zu sehen.
"Tja, das war der Auslöser für meinen Besuch. Voltan sagte, Du könntest da etwas dagegen tun."
Bittend und hoffnungsvoll schaute Aslana Eileen nun doch an.
"So brauche ich mich nicht zu Hause blicken zu lassen. Dragan ist eh nicht davon begeistert, wenn ich allein, also ohne battiwanische Begleitung, unterwegs bin."
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Re: Heimkehr
« Antwort #27 am: Dienstag, 11.12.2018, 09:12:07 »
Regungslos saß Eilen da und sah ihre Freundin an. Sah die Wunde an. Jeglicher Ausdruck war aus ihrem Gesicht gewichen, lediglich die Augen blitzen eigentümlich kalt.

Und dann begann sich der Becher in ihrer Hand mit Raureif zu überziehen.

Gepresst atmete die Priesterin aus und wieder ein. Kurz schloss sie die Augen, atmete einfach weiter. Als sie Aslana wieder ansah war ihr Gesicht weicher geworden und das Mitgefühl kehrte in ihren Blick zurück. Vorsichtig stellte sie den Becher auf die Tischplatte. Es knisterte leise als sie ihre Finger löste. Eine dünne Eisschicht hüllte das Trinkgefäß ein. "Drecksland."
Eileen rief sich sichtlich zur Ruhe und sah ihre Freunde abwechselnd an. "Es tut mir so unendlich dass ihr das alles durchmachen musstet. Und es tut mir leid, dass ich nicht an eurer Seite stehen konnte. Dafür kann ich es jetzt. Also ja Aslana. Natürlich, Ich kann dagegen was tun. Bevor du schlafen gehst kümmere ich mich darum und morgen hast du dein Ohr wieder."

Mit einem schiefen Lächeln rieb sich die Priesterin kurz über das Gesicht. "Verdammt, das hatten wir doch alles schonmal in diesem vom Chaos verseuchten Land. Klingt alles beunruhigend bekannt. Und trotzdem", fügte sie mit einem Seitenblick auf Voltan hinzu, der wirklich nicht gut aussah. "Irgendetwas sagt mir, dass das noch nicht alles war. Wie ging es weiter?"
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Re: Heimkehr
« Antwort #28 am: Dienstag, 11.12.2018, 21:09:36 »
Dankbar und erleichtert lächelte Aslana Eileen an, wenngleich sie gerade noch sehr irritiert war über den mit Raureif überzogenen Becher ihrer Freundin.
"Danke! Vielen Dank!
Und das da", sie deutete auf den Becher, "ist das so ein Kormath-Dingsi? Das hast Du noch nie gemacht."
Dann zog sie die Kapuze wieder über den Kopf und verdeckte so die Verletzung.
So entgehe ich wenigstens den Blicken der Anderen. Immer diese Blicke, mitleidig oder entsetzt oder einfach nur angewidert. So ist es besser.
Aber um auf Deine Frage zurückzukommen, Du hast recht. Leider war das immer noch nicht alles. Für das Silber machten sich die beiden Schurken noch auf die Suche nach Evan und schleiften ihn nach kurzer Zeit hinter einer Hütte hervor. Er sah ... nicht gut aus. Er ist einem Werwolf in die Fänge geraten. Die Bestie hat ihn auch mehrfach gebissen.
Ja, so war die Situation, während wir darauf warteten, dass irgendjemand vorbeikäme und sich unser annehmen würde. Immerhin lagen wir nicht mehr auf dem unheiligen Boden. Man wird ja für Kleinigkeiten dankbar. Allerdings begannen wir nun langsam die chaotischen Kräfte zu spüren, die in uns tobten ... auch nicht schön. Ich weiß nicht wie viel später, kamen dann tatsächlich Leute vorbei, die willens waren, uns zu helfen. Sie hatten zwar mehr Willen als Wissen, aber immerhin wuschen sie alle unsere Wunden aus und nähten die übelsten zusammen. Ein Magier schaute sich derweil an, wie unsere Aura aussah."
Aslana sah Voltan wie zur Bestätigung an.
"Er nannte es ein 'dunkles Mal des Wandels'. Ruft Veränderungen hervor. Leider konnte er nichts dagegen unternehmen. Er sprach davon, das dafür ein klerikales Ritual benötigt würde, war sich aber nicht sicher, ob überhaupt Priester anwesend seien.
"Na ja, um das Ganze abzukürzen: Voltan und ich haben das erste Mal eine Nacht zusammen verbracht und ganz ehrlich ... von einer schlaflosen Nacht mit einem gutaussehenden Paladin habe ich mir mehr versprochen."
Bei diesen Worten grinste sie Voltan frech an, wurde aber rasch wieder ernst.
"Wir haben die Nacht damit verbracht zu beten und aufeinander aufzupassen.
Wandel ... gepaart mit Nurgel , das heißt, Voltan wurde in rascher Abfolge von den unterschiedlichsten Krankheitsbildern geplagt. Übelkeit, Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Ausschlag, usw. usw. Zudem wuchs in uns irgendetwas Seltsames heran. Was genau das war, haben wir erst am Morgen entdeckt. Mein Rücken war bedeckt von blau schillernden Schuppen, Voltans rechter Unterarm von schwarzen Schuppen."
Kopfschüttelnd bei der Erinnerung an jene Nacht zog Aslana sich das Fleisch heran und säbelte sich eine dünne Scheibe davon ab.
« Letzte Änderung: Dienstag, 11.12.2018, 21:13:01 von Aslana »
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Re: Heimkehr
« Antwort #29 am: Samstag, 15.12.2018, 04:49:36 »
Eileen sah kurz auf ihre Hand als Aslana weitersprach und war für den Moment ganz froh, dass ihre Freundin nicht auf eine Antwort auf ihre Frage nach dem mit Eis überzogenen Becher wartete. Das hatte die Kormath Priesterin nicht mit Absicht getan. Es gefiel ihr nicht. Aber für den Moment war das egal.

Mit wachsender Fassungslosigkeit lauschte sie Aslanas Bericht. Evan von einem Werwolf gebissen, Voltan und Aslana mit mehr Glück als Verstand versorgt, Chaosmacht in ihrem Inneren... und 'Dunkles Mal des Wandels' klang alles andere als gut.

Als die Thyria Priesterin von der Nacht berichtete hatte sich eine tiefe Furchte zwischen Eileens Augen gebildet und als Aslana endete, starrte sie nur ein, zwei Herzschläge zwischen Voltan und Aslana hin und her.

"Willst du mir etwa sagen, dass eure Körper sich unter Chaosmacht wandelten, mutierten?!" stieß sie hervor. "Sagst du mir gerade, dass du blaue Schuppen auf dem Rücken hast? Und Voltan schwarze Schuppen an seinem... rechten... Arm... "

Eileens Stimme verlor sich und sie sah zu Voltan hinüber.  Der rechte Arm. Der rechte Arm. Dort wo die verdammte Klinge ihn schnitt. Und dort hatte er jetzt schwarze Schuppen?

Eileen presste die Kiefer aufeinander und sah den Paladin an. "Voltan...?"
"Ragna, geh mal einen Schritt beiseite - ewig stehst Du im Licht!"